Dreißig Jahre: "Sind diese Typen cool, oder was?"

Geschrieben von Ken Clark

Als ich hörte, daß das Jubiläumskonzert in der Londoner Wigmore Hall stattfinden sollte, muß ich zugeben, daß ich dachte, das müsse ein Mißverständnis sein. Obwohl ich dort nie zu einem Konzert gewesen war, wußte ich doch, daß es ein sehr kleiner Veranstaltungsort war. Im Kartenvorverkauf bestätigte man mir, daß es nur an die 600 Sitzplätze gab. War es nicht weniger als zwölf Monate her, daß ich zusammen mit etwa 3000 anderen in einer ausverkauften Royal Albert Hall gesessen hatte, um Bob Chilcotts letzten Auftritt auf einem nächtlichen Promenadenkonzert zu erleben?

Als ich dann dort ankam, verstand ich die Entscheidung, die wohl einer Eingebung entsprungen war, vollkommen. Die Wigmore Hall hat eine unglaubliche Akustik und eine großartige Atmosphäre, und diese Zutaten unterstützten die Entstehung eines unglaublichen Abends mit der einerseits simpelsten, aber andererseits stilvollsten Unterhaltung, die es gibt. Wie ein Zuschauer beim Hinausgehen kommentierte: "Sind diese Typen cool, oder was?"

Das Programm bestand vor allem aus alten bekannten Stücken, zum Beispiel "La Bomba" von Flecha, "Ave Virgo , Sponsa Dei" von Willaert und das allseits beliebte "La Tricotea Samartin" von Anon[...?]. Die erste Hälfte endete mit den Choral Dances von Benjamin Britten. Darauf folgten einige Nonsens-Limericks und am Ende der wundervolle Satz an Arrangements von Jason Carr mit Liedern aus dem Dschungelbuch, komplett mit Elefanten a capella und [...] Geiern.

Natürlich liebte das Publikum alles, vor allem der sechsjährige Junge vor mir, der den "schweren" Teil tapfer durchstand, um dann in den lustigeren Stücken, die danach kamen, voll aufzugehen. Wir mußten natürlich Zugaben bekommen, sonst hätte es einen Aufstand gegeben. Es traten sogar einige der früheren Sänger auf (Brian Kay, Alastair Hume und Bill Ives), die ihren "Enkeln" einige Flaschen mit dreißig Jahre altem Wein übergaben, um das Jubiläum hervorzuheben. Brian sagte, es sei nicht einfach gewesen, diesen Wein zu finden, da 1968 ein besonders schlechtes Weinjahr gewesen sei. Allerdings, so versicherte er uns mit einem Seitenblick auf die aktuelle Formation, sehe der Jahrgang 1998 ziemlich gut aus!

Es war ein erinnernswerter Abend, ich hatte sogar das Glück, Doug und Janet Anderson aus den USA anläßlich des Jubiläums kennenzulernen. Die schwer zu beeindruckende London Times schrieb über das Konzert, "sie sind immer noch unübertroffen in ihrer reinen Musikalität und ihrer Fähigkeit zu unterhalten". Wenn Sie die King's Singers nie live erlebt, sondern nur auf CD gehört haben, dann sollten Sie die Tourneedaten auf dieser Website nachschauen. Sie werden vielleicht kein Jubiläumskonzert erleben, aber das Schlüsselwort aus der Times ist "Entertainment", das Sie im Überfluß bekommmen werden.